Aktion gegen Immobilienspekulation: Adventskalender-Spezial
03.12.2010, geschrieben von Charlotte Salow in der Kategorie: Blog,Immobilien-Märkte
Folgende Tags wurden vergeben: Adventskalender, Gewerbeimmobilien, Hamburg, Immobilienspekulation, Wohnungsmarkt
Adventskalender mal anders: In Hamburg haben die Besetzer des Gängeviertels die Türen von 24 leerstehenden Gebäuden geschmückt, mit dem Ziel auf eine verfehlte Wohnungsmarktpolitik hinzuweisen und sich gegen Immobilienspekulationen zu wenden.
Die Weihnachtsmänner kamen, versammelten sich kurz an verschiedenen Hauseingängen in Hamburg, und waren plötzlich wieder weg. An den Türen hinterließen sie jeweils einen großen roten Punkt und ein weiße Zahl. Solche merkwürdigen Zusammenkünfte werden sich während der Adventszeit in Hamburg immer wieder abspielen, denn die „Leerstandsmelder“, wie sich die Gruppe nennt, wollen mit ihrer speziellen Form des Adventskalenders auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Hamburg aufmerksam machen. Bis Weihnachen wird deshalb jeden Tag eine weitere Tür eines leeren Gebäudes markiert und auf der Webseite der Initiative angezeigt.
Die 24 Türen, so formulieren es die Initiatoren, „fordern symbolisch auf, endlich wieder geöffnet zu werden“. Hintergrund ist die angespannte Wohnungsmarktsituation in Hamburg: Während preiswerte Wohn- und Arbeitsräume in Hamburg rar sind, stehen etwa 1,2 Millionen Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche leer. Vielen davon befinden sich in städtischen Gebäuden.
Die Macher der Aktion haben schon durch die Initiative „Komm in die Gänge“ auf sich Aufmerksam gemacht. Im August 2009 hatten sie zwölf baufällige Häuser im Gängeviertel besetzt, um deren Abriss und die Neuerrichtung von weiteren Büroflächen zu verhindern. Die Aktion war erfolgreich: Nach großem Medienecho kaufte die Stadt die historischen Gebäude von den Investoren zurück.
Die Aktion „Leerstandsmelder“ funktioniert hauptsächlich über soziale Netzwerke – teilnehmen kann jeder über ein Webtool auf der Homepage der Initiative, der ein ungenutztes Gebäude und seine Geschichte kennt. Dann wird der Standort auf Google-Maps mit einem roten Punkt markiert. Schon am ersten Tag konnte die Webseite 90 Einträge verzeichnen, darunter ein ehemaliges Kaufhaus, eine Schnapsfabrik außer Betrieb und sogar eine Villa.
„Ganz lustig“ findet Torsten Flomm, Geschäftsführer des Grundeigentümer-Verbandes Hamburg, die Website. Allerdings: „Sollte hier das Internet missbraucht werden, um einzelne Eigentümer an den Pranger zu stellen, sind wir selbstverständlich dagegen“, kommentierte Flomm die Aktion gegenüber dem Spiegel. Laut eigener Aussage wollen die „Leerstandsmelder“ doch nur „helfen, konstruktive Ideen zum Umgang mit der Leerstandssituation zu entwickeln und auszutauschen“.
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