Aufräumen gegen Vorurteile
11.4.2011, geschrieben von Sarah Tebbe in der Kategorie: Bauen,Immobilien-Märkte

© Wikimedia Commons/Ziko-C
Müll und Unordnung in Stadtvierteln können Diskriminierung und Vorurteile verstärken. Das haben zwei niederländische Forscher herausgefunden.
Dass in heruntergekommenen Stadtvierteln Stereotype und Vorverurteilungen entstehen, haben Diederik Stapel und Siegwart Lindenberg von den Universitäten in Tilburg und Groningen nach Informationenen des Tagesspiegel mit Hilfe verschiedener Experimente gezeigt.
Den Einfluss von Unordnung auf Vorurteile konnten die Forscher beispielsweise während des Müllabfuhrstreiks in Utrecht testen. Auf dem völlig vermüllten Bahnhofsvorplatz baten sie 40 hellhäutige Männer und Frauen, einen Fragebogen über Vorurteile gegenüber Homosexuellen und Muslimen auszufüllen. Dabei sollten sich die Befragten auf einen von sechs in einer Reihe stehenden Stühlen setzen, von denen der erste bereits belegt war – entweder von einem dunkelhäutigen Mann oder von einem gleichaltrigen Hellhäutigen. Die Forscher wiederholten das Experiment ein paar Wochen später auf dem mittlerweile gesäuberten Bahnhof.
Das Ergebnis: Die Unordnung verstärkte tatsächlich die Vorurteile der Probanden – das zeigten nicht nur die Fragebögen, sondern auch das Verhalten: Auf dem unaufgeräumten Bahnhof hielten die Probanden mehr Abstand zum dunkel- als zum hellhäutigen Mann, im aufgeräumten Bahnhof war dies nicht der Fall.
Wer von Durcheinander umgeben ist, versucht unbewusst, Ordnung und Struktur wiederherzustellen. Dabei neigt man dazu, Dinge und Menschen in einfache Strukturen einzuordnen. Dieser Prozess spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Vorurteilen. Schubladendenken ist anscheinend eine effektive Möglichkeit, sich mit Unordnung auseinanderzusetzen – es wirke wie eine Art mentales Reinigungsmittel, schreiben die Forscher in „Science“. Einfache Kategorien können helfen, in einer unübersichtlichen und damit potentiell gefährlichen Situation schnell zu reagieren.
Die Schlussfolgerung der Forscher: In heruntergekommene Viertel sollte schnellstmöglich investiert werden, um sie vor der Verwahrlosung zu retten. Häuser und Parks müsse man sanieren und renovieren. Wenn herumliegender Müll und Spuren von Vandalismus verschwinden, steige die Wahrscheinlichkeit, dass Vorurteile und Diskriminierungen zurückgehen.
Weitere Immobilien News von Immonet:
- Spanien setzt Zwangsräumungen von Immobilien aus
- Studenten in Gronigen: Nur gut verteilt erträglich
- Immobilienmarkt in Kleve: Gesamtumsatz steigt leicht an
- Einheimische verlassen Sylt
- Immonet: Rittergut in Sachsen-Anhalt oder Insel in Kroatien?
- Immobilienmarkt: Drei neue Viertel für Düsseldorf
- Wärmedämmung: Grüne Algen besiedeln Hauswände
- Wohnungsmarkt in Sachsen: Die Zukunft liegt in Mehrgenerationenhäusern
- In Lokstedt entstehen 600 neue Wohnungen
- Mieten für Altbauwohnungen in Hamburg explodieren





