Eigentumswohnungen in Hamburg hoch im Kurs
27.5.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Immobilien-Märkte
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Der Markt für Immobilien in Hamburg zeigt Reaktion auf die Euro-Krise. Immobilienprofis in der Hansestadt freuen sich über ein neu gewecktes Interesse an Kaufobjekten. Insbesondere Eigentumswohnungen in Hamburg stehen derzeit hoch im Kurs. Doch nicht in jedem Immobiliensegment herrscht in Hamburg eitel Sonnenschein. Im Gegensatz zur Wohnung sind Einzelhäuser in Randlagen rund um die Hansestadt nur schwer zu veräußern. Die Euro-Krise und beinahe täglich die Runde machende, beunruhigende Nachrichten zu den Anlagemärkten sorgen für eine neue Lust an der Immobilie. Nicht nur in Hamburg. Für Immobilienprofis in der Hansestadt gibt es eine einfache Erklärung: „Die Leute wollen ihr Geld sachwertgesichert anlegen”, sagt Gerhard Feldmann, Geschäftsführer des Immobilienverbandes Nord (IVD) im HAMBURGER ABENDBLATT, „innerhalb von einer Woche zählten wir 135 Anfragen von Kaufinteressenten. Das ist doppelt so viel wie in normalen Zeiten”, freut sich Frank Stolz, Leiter „Wohn-Projekte“ beim Maklerunternehmen Grossmann & Berger.
Vor allem das Immobiliensegment „Eigentumswohnungen“ profitiert von der Euro-Krise. „Im vergangenen Jahr haben wir 40 Prozent mehr Neubauwohnungen verkauft als 2008, und dieser Trend wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen”, sagte Frank Stolz dem HAMBURGER ABENDBLATT. Das Unternehmen Grossmann & Berger bringt jährlich zwölf bis 15 Wohnprojekte auf den Markt. „Jetzt“, so glaubt Frank Stolz, „könnten es angesichts der Nachfrage durchaus mehr sein.“ Das begrenzte Angebot an Wohnungen aus dem Neubau resultiert auch aus einem Mangel an geeigneten Grundstücken in guten Lagen. Und es sorgt für steigende Preise. Nach Angaben von Grossmann & Berger sind Neubauwohnungen in Hamburg in den letzten vier Jahren im Schnitt um jährlich sechs Prozent teurer geworden. „Das liegt nicht an steigenden Baukosten und höheren Anforderungen an die Energieeffizienz der Bauten, sondern ausschließlich an der steigenden Nachfrage“, kommentiert Frank Stolz diese Entwicklung.
Die höchsten Preissteigerungen für Neubauprojekte verzeichnen in Hamburg die beiden Stadtteile Lokstedt und Barmbek-Süd. Dies sind zwei Bezirke, die Experten auf den ersten Blick nicht unter den „Preistreibern“ sehen. „Barmbek-Süd befindet sich im Wandel und wird von Käufern als Alternative zu den angrenzenden, deutlich teureren Stadtteilen wie zum Beispiel Winterhude und Uhlenhorst in Betracht gezogen“, sagt Garlef Kaché, Leiter Wohn-Projekte bei Grossmann & Berger. Im so genannten „Komponistenviertel“ Barmbek-Süd müssen schon 3.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlt werden. In Lokstedt entstehen nördlich des Veilchenweges und am Lohkoppelweg derzeit neue Wohnprojekte.
Die Hansestadt kann deutschlandweit das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und die höchste Erwerbstätigenquote aufweisen. Hamburg boomt – und gehört nach Einschätzung der HSH Nordbank zu den wettbewerbsfähigsten Regionen in Deutschland und Europa. In den kommenden Jahren, so die Prognose, wird eine steigende Einwohnerzahl für einen erhöhten Bedarf an Wohnungen in Hamburg sorgen. „Bis zum Jahr 2020 rechnen wir mit einem Bedarf von etwa 1.500 Wohnungen pro Jahr in Hamburg“, sagt Peter Axmann, Leiter des HSH-Unternehmensbereichs „Immobilienkunden“.
Doch längst nicht jede Wohnung in Hamburg lässt sich mühelos veräußern. Schwer zu verkaufen sind in Hamburg vor allem Wohnungen in großen Anlagen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. „Wenn das Wohngeld dann noch so hoch ist wie eine mögliche Finanzierung, schreckt das viele Käufer ab“, sagt Jörn Olaf Ridder, Bereichsleiter „Wohnimmobilien“ bei Grossmann & Berger. Kleinere Wohnungen, so die einhellige Meinung von Immobilienexperten, müssen in Hamburg dicht am Stadtzentrum liegen, um Interesse beim Käufer zu wecken. Denn: Gerade diese Wohnungen in City-Lage werden zur Kapitalanlage genutzt und vermietet – bei Bruttorenditen von bis zu fünf Prozent. Im Jahr 2009 lag der Durchschnittspreis für gebrauchte Eigentumswohnungen in Hamburg nach IVD-Erhebungen mit 2.080 Euro/qm aber noch 20 Prozent unter dem Höchstwert von 1994.
Schwierig gestaltet sich in Hamburg auch der Verkauf von Einfamilienhäusern in den Randlagen. „Das gilt vor allem für ältere Objekte ab 500.000 Euro“, so Axel Schneider von Schneider Immobilien. Grund: Die Banken finanzieren nur noch 60 bis 70 Prozent des Kaufpreises. Auch so genannte Luxushäuser mit einem Kaufpreis von mehr als 750.000 Euro haben sich im letzten Jahr in Hamburg schlechter verkaufen lassen. Die Zahl der Verkäufe ging um 14 Prozent gegenüber 2008 zurück. Insgesamt wechselten 163 Objekte aus diesem Immobiliensegment den Besitzer, davon rund ein Drittel zu einem Kaufpreis ab 1,5 Millionen Euro. Die Folge: Ein Rückgang bei den Verkaufserlösen um 17 Prozent (Quelle: Maklerunternehmen Dahler & Company). „Der Markt hat sich in Hamburg zugunsten der Eigentumswohnungen verschoben”, sagt Björn Dahler von Dahler & Company. „denn in diesem Bereich gab es mit 105 Verkäufen 17 Prozent mehr Veräußerungen als 2008.“ Dabei stiegen die Verkaufserlöse um zehn Prozent. Eigentumswohnungen profitieren dabei von mehreren Faktoren. „Wohlhabende im Ruhestand tauschen ihre Häuser gegen luxuriöse Wohnungen im innerstädtischen Bereich“, so die Beobachtung von Dahler, „viele Käufer suchen Wohneigentum nur noch im Innenstadtbereich, in denen Einfamilienhäuser und Villen traditionell rar sind.“
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