Ein Dorf für Rentner
05.10.2010, geschrieben von Charlotte Salow in der Kategorie: Blog
Folgende Tags wurden vergeben: Demographie, Senioren, Wohnen im Alter
Aus Amerika kennt man es schon: Wohnanlagen, in denen ausschließlich Senioren leben. Der Trend ist inzwischen auch in Deutschland angekommen: In Meppen entsteht die erste Seniorensiedlung, in der 36 einstöckige, barrierefreie Häuser mit rollstuhltauglichen Duschen und ohne störende Ecken stehen. 17 Bewohner sind schon eingezogen. Von Politikern und Demographen wird das Projekt jedoch kritisiert.
Die Idee zu dem Projekt kam Architekt Josef Wulf vor einigen Jahren, als er Senioren befragte, wie sie am liebsten im Alter wohnen würden. Verkürzt lautete die Antwort aller: Frei und unabhängig, aber mit der Sicherheit, dass Hilfe im Notfall da ist. In der Kleinstadt Meppen hat der Bauplaner die Idee verwirklicht: Umgeben von Wald und Ems-Kanal leben bereits 17 Senioren in flachen Bungalows. Unterstützung beim Rasenmähen und bei der Krankenpflege kommt von einer Betreuerin, die ebenfalls im Dorf lebt.
Die Häuser kosten zwischen 120.000 und 180.000 Euro. Das letzte Haus sollte bis spätestens 2012 verkauft sein, es wird aber wohl schon dieses Jahr so weit sein. Denn der Bedarf ist groß: Laut einer Studie im Auftrag von Verbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft und der Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) sind in Deutschland nur 400.000 von 40 Millionen Wohnungen seniorengerecht. Wissenschaftler rechnen damit, dass in 15 Jahren der Bedarf fünfmal so hoch sein wird.
Die ersten Bewohner sind im Sommer 2009 eingezogen und fühlen sich in den komfortablen Bauten in grüner Umgebung ganz wohl. Von der Politik wird das Wohnprojekt jedoch kritisiert: Das Bundesbauministerium befindet, das Projekt trage nicht zur Integration bei. Von anderer Seite kommt der Einwand, dass es in der Bundesrepublik viel leer stehenden Wohnraum gäbe – da brauche es keine Neubausiedlungen. Überhaupt seien Mehrfamilienhäuser viel eher im Sinne von älteren Bewohnern.
Josef Wulf hat solche Häuser selber gebaut. Dabei hat er die Erfahrung gemacht, dass Jung und Alt sich eher gegenseitig stören – zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse. Letztendlich bleibt es aber wohl den Senioren überlassen zu bewerten, ob das Leben unter Altersgenossen erholsam ist oder nicht.
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