Finanzkrise in Europa: Haushaltssanierung durch Immobilienverkäufe
22.7.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Immobilien-Märkte
Folgende Tags wurden vergeben: Europa, Immobilien aus öffentlicher Hand, Immobilienverkauf
In vielen Ländern Europas sorgt die angespannte wirtschaftliche Lage für einen erhöhten Anteil der Verkäufe von Immobilien aus öffentlicher Hand. Das belebt den Markt für Immobilien-Investment in Europa.
Wie aus einem aktuellen Bericht des Immobilienberatungsunternehmens CB Richard Ellis (CBRE) hervorgeht, haben die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise für eine hohe Belastung einzelner Volkswirtschaften gesorgt und den Verkauf von Immobilienvermögen forciert. Mehrere europäische Regierungen liebäugeln mit dem Verkauf von Immobilien, um dadurch die eigenen Haushalte zu sanieren. Insbesondere Großbritannien, Deutschland, Frankreich und das krisengeschüttelte Griechenland wollen durch Immobilienverkauf die Staatskasse aufbessern.
Hintergrund: Die Verkäufe von öffentlichen Immobilien in Europa erreichten 2009 ein Volumen von rund 840 Millionen Euro. Im Durchschnitt liegt der Anteil von Veräußerungen durch die öffentliche Hand in den vergangenen Jahren bei 2,0 bis 2,5 Prozent am gesamten Investmentmarkt in Europa. Immobilienexperten rechnen mit einer deutlichen Steigerung in den nächsten Jahren, so die geplanten Verkäufe tatsächlich finalisiert werden.
„Viele europäische Regierungen verstärken aktuell ihre Verkaufsanstrengungen, um damit der vielerorts angespannten Haushaltslage zu begegnen“, erklärt Fabian Klein, Head of Investment bei CB Richard Ellis in Deutschland, „deshalb gehen wir davon aus, dass sich der Anteil am Gesamtmarkt europaweit erhöhen wird. Das durchschnittliche Volumen einer Transaktion der öffentlichen Hand war im vergangenen Jahr mit 10 Millionen Euro relativ gering. Dies hat in erster Linie mit der Tatsache zu tun, dass größere Gebäude oft mit einem nicht unerheblichen Leerstandsrisiko verbunden sind und deswegen kaum Investoren finden.“
Besonders gefragt sind nach Ansicht von Fabian Klein vor allem Premium-Immobilien, die die öffentliche Hand nach Veräußerung zurück mietet und mit denen sich dauerhaft sichere Zahlungsströme auf Investorenseite erzielen lassen.
Die britische Regierung hat angekündigt sich in den kommenden zehn Jahren von Immobilien im Wert von rund 35 Milliarden britischen Pfund trennen zu wollen. Hierzu gehören neben mehreren Studentenwohnheimen auch Infrastrukturprojekte. Auch in Deutschland geht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben davon aus, in den kommenden Jahren ihre Milliarden Euro schweren Immobilienportfolios zu veräußern. Die Bundesrepublik war mit einem Transaktionsvolumen von mehr als 350 Millionen Euro im vergangenen Jahr der größte Verkäufer öffentlicher Immobilien in Europa. Auf den weiteren Plätzen folgten die Niederlande, Frankreich und Italien.
Weitere Immobilien News von Immonet:
- Gewerbeimmobilien in Europa: Aufschwung erkennbar
- Einzelhandelsimmobilien: Mehr Transaktionen im ersten Halbjahr 2010
- Fast drei Viertel aller Europäer besitzen Wohneigentum
- Immobiliendeal: J.K. Rowling erzielt mit Verkauf Millionengewinn
- Europäischer Immobilienmarkt: Es geht aufwärts
- Thomas Gottschalk will sein Schloss verkaufen
- Büromieten in Europa: Deutlicher Anstieg im zweiten Quartal 2010
- Kaufkraft in Europa: Landkarte von Arm und Reich
- Experten sicher: Industrie- und Logistikimmobilien legen zu
- Immobilienmarkt: Investitionen in Deutschland legen weiter zu






