Forscher arbeiten an Skyfarming: Reisanbau in Hochhäusern
24.5.2012, geschrieben von Immonet in der Kategorie: Blog
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Es klingt befremdlich, könnte aber ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den weltweiten Hunger sein: Agrarforscher der Universität Hohenheim in Stuttgart erarbeiten ein Konzept zum Anbau von Reis in Hochhäusern. Sie nennen ihren Vorschlag „Skyfarming“. Dank ausgeklügelter Technik soll Reis demnächst selbst auf engstem Raum in Großstädten angebaut werden können.
Wie das Magazin Stern berichtet, stellten die Forscher um Professor Folkard Asch nun ihr Konzept im Schloss Hohenheim vor. Dabei geht es um eine Technologie, die den Reisanbau praktisch unabhängig von Umwelteinflüssen das ganze Jahr über ermöglichen soll. Der Reis wird dabei einfach in Wohnungen untergebracht, seine Wurzeln hängen frei im Raum und werden über einen künstlich hergestellten Nahrungsnebel mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt.
Die Forscher verstehen ihr Konzept nicht zuletzt als Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften. So werde weniger Wasser und Dünger benötigt. Die Transportwege zum Verbraucher seien wesentlich kürzer als bei einer Anlieferung aus den Dörfern in die Städte.
Ein Modell einer solchen „Skyfarm“ gibt es bereits. In fünf bis zehn Jahren könnte ein Prototyp gebaut werden. Wäre da nicht das liebe Geld. Denn nun sind die Forscher auf der Suche nach Geldgebern, die die benötigten 12 bis 15 Millionen Euro für ein solch ungewöhnliches Haus springen lassen. Das Interesse an dem Konzept sei in den vergangenen Jahren aber deutlich gestiegen, berichtet Professor Asch. Angesichts des weiteren Wachstums der Weltbevölkerung müsse die Nahrungsmittelproduktion erheblich ausgeweitet werden. Allein bis 2035 müsste die Produktion von Reis als wichtigstem Nahrungsgetreide um rund 17 Prozent gesteigert werden.
Dass die Idee zum Mega-Gewächshaus aus einer Bierlaune heraus entstanden ist, verwundert sicher niemanden. Seit vier Jahren tüfteln die Beteiligten nun an der Umsetzung, erklärte Professor Asch. Die Zuschüsse für das Projekt sind noch ganz bescheiden: Gerade einmal 5.200 Euro Fördermittel habe das „Skyfarming“ bisher in Anspruch genommen.
Bis das erste Mega-Gewächshaus tatsächlich gebaut werden kann, müssen noch viele Details geklärt werden. So seien die optimale Beleuchtung und der Schutz vor schädlichen Keimen noch nicht abschließend gelöst. Dennoch wissen die Forscher von vielen Vorteilen des Systems zu berichten. Da der Reis frei wurzele, könnten die Pflanzen je nach Bedarf von einem Raum in den anderen getragen werden. Nach dem Motto: Wenn die Lichtverhältnisse in der Küche gerade am besten sind, hole ich die Pflanzen eben aus dem Bad. Wer sich anschauen möchte, wie er in seiner Wohnung am besten Reis anbaut, hat in diesem Sommer Gelegenheit dazu. Vom 1. Juni bis 15. Oktober tourt das Modell des Skyfarming-Hochhauses auf dem Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ durch 35 deutsche Städte.
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