Immobilien: Kopierschutz für historische Gebäude?
04.8.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Bauen
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Das Kopieren von berühmten Immobilien kann als selbstverständlich angesehen werden. Dies ist die Einschätzung eines Kurators einer neuen und sehenswerten Ausstellung in der Pinakothek in München.
Die noch bis 31. Oktober laufende Ausstellung „Geschichte der Rekonstruktion – Konstruktion der Geschichte” in der Pinakothek der Moderne in München zeigt rekonstruierte Architektur aus aller Welt. Mit einigen überraschenden Einblicken.
Das Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne bietet unter dem Motto „Geschichte der Rekonstruktion – Konstruktion der Geschichte“ die größte Ausstellung, die je einer der anstößigsten Fragen jüngerer Kunstgeschichte gewidmet wurde: Zentrale Fragestellung: Wie soll man eigentlich mit historischen Immobilien umgehen? Insgesamt 85 Fallbeispiele sowie weitere 200 Rekonstruktionen – von Japan bis Kanada – und zeitlich gesehen von der griechischen Antike bis heute werden vorgestellt, analysiert und kommentiert.
Der Kunsthistoriker Georg Dehio, der vor etwas mehr als einem Jahrhundert den Begriff der Denkmalpflege geprägt hatte, würde sicherlich vor Schreck erstarren. Denn: Die „Masken und Gespenster“, vor denen er einst gewarnt hatte, sind wieder da. Und sie sind so gefragt wie nie zuvor. In immer mehr Städten verlangen die Bürger die Wiedererrichtung untergegangener Immobilien, ja sogar ganzer Straßenzüge und Plätze. Die Opposition gegen Architekten, die angeblich die Städte verkorksen, gegen die „Willkür“ von Planungsämtern, gegen das Banausentum von Investoren ohne Geschichtsbewusstsein, hat sich vielerorts formiert.
Bleibt die Frage: Darf man Immobilien, die aus dem Stadtbild verschwunden sind, einfach so kopieren? Beispiele hierfür gibt es genügend: Von der Frauenkirche in Dresden über die Stadtschlösser in Berlin oder Potsdam bis hin zur historischen Altstadt von Frankfurt am Main feierten zahlreiche historische Immobilien eine „Wiederauferstehung.“
Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die Provokation, die in der neuen Ausstellung in München mitschwingt. Dehio, ein Hochschullehrer aus Straßburg, war der erste, der mit moralischen Begriffen operiert und die Anhänger des architektonischen Historismus als „Lügner und Fälscher“ attackiert hatte. Denkmalpfleger, Architekten und Planer unterstützten seine Sichtweise, spitzen gar seine Argumentation zu.
Wie WELT ONLINE berichtet, geht es längst nicht mehr nur um das Bauen in historischen Stilrichtungen, sondern um die akribische Wiederholung und „Neuaufführung“ des zugrunde gegangenen Bautenbestandes die Rede. Für den Spott ihrer Gegner – „da müsst ihr aber auch das Plumpsklo wiedereinbauen“ – haben die „Rekonstruktivisten“ um Dehio lediglich ein müdes Lächeln übrig. Den Generalverdacht, Rekonstruktionen von berühmten Immobilien seien „Fakes“, „Maskerade“ oder gar „Verbrechen“, will die Münchner Ausstellung entkräften. Mit einem für einen Ausstellungsmacher alles andere als selbstverständlichen bekenntnisartigen Ton erwidert Winfried Nerdinger, der Museumsdirektor, Professor für Geschichte der Architektur und Baukonstruktion und außerordentliches Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA), mit schneidender Schärfe: „Eine Kopie ist kein Betrug, ein Faksimile keine Fälschung, ein Abguss kein Verbrechen und eine Rekonstruktion keine Lüge. Über Jahrhunderte basierte die Ausbildung von Künstlern und Architekten auf dem Kopieren von Mustern und Vorlagen und die Entwicklung von Kunst und Architektur vollzog sich über Nachahmung, Anpassung, Zitat und Wiederholung.“
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