Immobilien: Warum 2009 ein „gutes Makler-Jahr“ war
18.3.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Immobilien-Märkte
Folgende Tags wurden vergeben: Gewerbeimmobilien, Immobilienkauf, Wohnimmobilien
Licht und Schatten in der Immobilienwirtschaft. Während Makler für Gewerbeimmobilien in Deutschland das Geschäftjahr 2009 mit Ernüchterung abgehakt haben, melden Wohnungsvermittler steigende Courtageumsätze. Das berichtet die Immobilien Zeitung (IZ) in ihrer aktuellen Ausgabe.
Aber: Bei Wohnimmobilien herrscht nicht überall eitel Sonnenschein: Vor allem in strukturschwachen Regionen fällt die Vermarktung von Immobilien nach wie vor schwer.
Insgesamt wurden 2009 Immobilien im Wert von etwa 135 Mrd. Euro umgesetzt – das sind knapp 16 Prozent weniger als noch im Jahr 2008. Dies ist das zentrale Ergebnis einer auf der erhobenen Grunderwerbsteuer basierenden Berechnung des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). Wohn- und Gewerbeumsatz lassen sich nicht auseinanderdividieren. Dennoch ist IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick (Berlin) sicher: „Das Minus geht vor allem aufs Gewerbe-Konto.“ Die Umsätze, so Schick gegenüber der IZ, „sind in der Wohnungsvermittlung größtenteils stabil geblieben, zum Teil sind sie sogar gestiegen.“
Große Immobilienvermittler wie beispielsweise die LBS Immobiliengesellschaften (LBS-I) und BHW Immobilien konnten im vergangenen Geschäftsjahr sowohl bei der Anzahl vermittelter Wohnimmobilien als auch in Punkto Objektvolumen Zuwächse verbuchen. Wie BHW Immobilien meldete, ist die Zahl der vermittelten Eigenheime und Eigentumswohnungen in 2009 um satte 19 Prozent auf 3.390 Objekte gestiegen. Der Verkaufspreis der Immobilien lag dabei insgesamt bei 459 Mio. Euro – 8,5 Prozent mehr als im Jahr 2008.-
Aber: Der Anstieg des Verkaufsvolumens konnte 2009 nicht mit Objektanzahl mithalten. Hauptgrund hierfür: Die im Schnitt gesunkenen Kaufpreise für Immobilien. „Hier zeigt sich, dass wir vor allem bei den gegenüber Häusern günstigeren Eigentumswohnungen zugelegt haben“, erklärt BHW-Pressesprecher Rüdiger Grimmert. Tatsächlich stieg die Anzahl der verkauften Wohnungen um 29 Prozent an – auf 1.163 Einheiten. Die Anzahl der in 2009 vermittelten Häuser ging im abgelaufenen Jahr ebenfalls nach oben. In diesem Segment war eine Steigerung von 13 Prozent (1.994 Objekte) zu verzeichnen. Der Durchschnittspreis über alle Wohnimmobilien lag bei 135.400 Euro.
Auch die Immobilienprofis der LBS konnten in 2009 ein deutliches Plus verzeichnen. Insgesamt wurden 28.500 Immobilien von der Gesellschaft verkauft – das sind 10 Prozent mehr als noch 2008. Der Wert der vermittelten Objekte lag dabei bei insgesamt vier Milliarden Euro und damit um neun Prozent über dem Wert des Jahres 2008. Erfreuliche Zahlen auch beim Immobilienanbieter Engel & Völkers. Bei E & V ging der Courtageumsatz bei der Vermarktung von Gewerbeimmobilen zwar um 6,4 Prozent zurück, doch die Vermittlung der eigenen vier Wände wurde dagegen in 2009 mit einem Plus von 20 Prozent abgeschlossen. Umsatz: 64,1 Mio. Euro. E & V-Geschäftsführer Kai Enders dazu: „Wir haben stark von niedrigen Zinsen und der krisenbedingt gestiegenen Nachfrage nach Wohnimmobilien profitiert.“
Auch die ersten zwei Monate im Jahr 2010 verliefen aus Sicht von Kai Enders zufrieden stellend. Gegenüber den Vorjahresmonaten verbuchte man bei Engel & Völkers ein Plus an Courtage von 10 Prozent.
Die starke Nachfrage nach Immobilien ist vor allem in den Metropolregionen zu beobachten. BHW-Pressesprecher Grimmert: „Vor allem Eigentumswohnungen, an denen Selbstnutzer wie Kapitalanleger interessiert sind, können weit mehr vermittelt werden, als im Angebot sind.“ IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick sieht es ähnlich: „Vor allem für Ballungsräume gibt es eine gestiegene Nachfrage privater Kapitalanleger nach vermieteten Eigentumswohnungen und außerdem ein großes Interesse von Privatpersonen, Family-Offices und Fonds nach Zinshäusern in guten Lagen und guter Qualität“, so der Immobilienprofi aus Berlin, „wir haben in Top-Lagen Berlins Zinshäuser zum 18- bis 20fachen verkauft.” Und so verbuchte er 2009 höhere Umsätze als im Boomjahr 2007.
Doch nicht überall erfreut man sich in der Immobilienwirtschaft an steigenden Umsätzen. Vor allem die strukturschwachen Regionen bleiben weiterhin ein Problemkind der Branche. Hier gestaltet sich der Verkauf von Immobilien angesichts hoher Arbeitslosigkeit und Job-Angst schwierig. Die Folge: Preisvorstellungen müssen oftmals deutlich nach unten korrigiert werden. “Die Zahl der angebotenen Immobilien im Umland steigt, doch sie verkaufen sich schwerer als früher”, sagt Kai Enders, „aber wir wollen nicht klagen, denn das wäre Jammern auf hohem Niveau.“
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