Immobilien: Wohnungsbau in Deutschland weiter rückläufig
17.3.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Bauen
Folgende Tags wurden vergeben: Neubauimmobilien, Neubaulücke, Wohnungsmangel
In Deutschland fehlen pro Jahr 183.000 Wohneinheiten. Den größten Bedarf an neuen Wohnungen haben die Metropolregionen. Insgesamt ist der Wohnungsneubau weiter rückläufig und Deutschland befindet sich im Wohnungsbau-Ranking im sechsten Jahr in Folge auf dem letzten Platz. Trübe Aussichten.
Einer Untersuchung von Euroconstruct zufolge bleibt Deutschland das Schlusslicht in Sachen Wohnungsbau in Europa. Spitze ist dagegen die Schweiz, wo mit 6,3 Einheiten pro 1.000 Einwohner fast viermal so viele Wohnungen wie in Deutschland (1,7) entstehen. Das teilte LBS Immobilien mit.
Die LBS-Immobilienexperten wiesen zudem darauf hin, dass sich die Situation im Wohnungsbau in Deutschland seit Mitte der Neunzigerjahre radikal gewandelt hat. Im Jahr 1996 lag Deutschland noch mit 6,8 Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner unmittelbar hinter Irland (9,5 pro 1.000 Einwohner) auf Platz zwei der europäischen Neubau-Tabelle. Seitdem ging die Bautätigkeit langsam, aber stetig zurück und liegt heute nicht einmal mehr bei einem Drittel des Wertes von 1996 – Frust am Bau.
Während der Wohnungsbau in Deutschland nicht von der Stelle kommt, erleben andere Länder einen regelrechten Bau-Boom. Bis vor etwa drei Jahren verbuchten Spanien und Irland die höchste Neubautätigkeit, mittlerweile führt die Schweiz dieses Ranking an. Nach Ansicht der LBS-Experten zeigt vor allem der Blick auf die direkten Nachbarn deutlich, wie ungewöhnlich die Situation in Deutschland ist. Denn mit Ausnahme Dänemarks und Tschechiens, deren Neubau-Niveau 75 Prozent höher liegt als in Deutschland, weisen alle untersuchten Anrainerstaaten eine mehr als doppelt so hohe Neubauintensität auf.
„Das Jahr 2009 markierte für den deutschen Wohnungsbau den tiefsten Punkt seit mindestens 50 Jahren – zumindest mit Blick auf die Fertigstellungen“, so stellte Deutsche Bank Research fest. Die damit oft verbundene Sorge vor einer neuen Wohnungsnot sei jedoch stark übertrieben. Denn: In nur wenigen Metropolregionen sei tatsächlich mit einer Verknappung von Wohnungen zu rechnen. In Deutschland wurden demnach 2008 weniger als 180.000 Wohneinheiten fertig gestellt, 2009 dürfte dieser Wert sogar erneut unterschritten worden sein. Und 2010 seien die Baugenehmigungszahlen ebenfalls rückläufig. „Mitte der 90er-Jahre wurden in Deutschland noch dreimal so viele Wohnungen fertig wie in den letzten Jahren, und auch im Vergleich mit den meisten europäischen Ländern wird in Deutschland sehr wenig in neuen Wohnraum investiert“, sagt Deutsche Bank-Analyst Tobias Just.
Das könnte zu wenig sein. Just weiter: „In vielen Köpfen geistert immer noch die Zahl von 400.000 Einheiten als Richtgröße für den jährlichen Wohnungsneubau herum. Dieser Wert basiert auf der Annahme, dass wir jedes Jahr etwa ein Prozent des Wohnungsbestands ersetzen müssen. Doch die Wohnungsleerstände sind sogar in Westdeutschland in den letzten Jahren leicht angestiegen. In Ostdeutschland gingen sie von vergleichsweise hohem Niveau durch die öffentliche Abrissförderung zurück.“ Es gäbe offensichtlich keine flächendeckende Wohnungsknappheit in Deutschland, so Just, die Zahl der Haushalte nähme nicht mehr so schnell zu wie zuletzt in den Neunzigerjahren, zumal die Zahl der Einwohner seit 2003 rückläufig ist. er.
Die aktuell geringe Bautätigkeit folgt einer Phase mit sehr hohen Fertigstellungszahlen. Insbesondere im Osten entstand in den Neunzigerjahren viel mehr Wohnraum als der Markt absorbieren konnte.
Jährlich müssen daher in den nächsten fünfzehn Jahren ungefähr 183.000 neue Wohnungen gebaut werden, um die Nachfrage zu decken. Das geht aus der Wohnungsmarktprognose 2025 des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor. Dabei schwankt der notwendige Neubau regional sehr stark. Beispiel München: In der bayerischen Landeshauptstadt müssten jährlich 57 neue Wohnungen pro 10.000 Einwohner gebaut werden. In Halle in Halle in Sachsen-Anhalt liegt dieser Wert bei nur einer Wohnung pro 10.000 Einwohner. Ein Lichtblick: Das Ifo-Institut sagt voraus, dass sich der Wohnungsneubau in Deutschland von seinem aktuellen Tiefstand erholen wird und bis 2012 um 28 Prozent zulegen wird.
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