Immobilienanlage: Rückenwind dank Euro-Krise?
20.5.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Finanzen
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Finanz-Experten schlagen Alarm. Die Staatsverschuldung in Deutschland wächst, der Euro verliert rapide an Wert und mehrere EU-Staaten funken S. O. S. Hauskauf als Ausweg? – Die große Euro-Krise sorgt für Verunsicherung bei den Anlegern. Diese suchen vielerorts ihr Heil in Immobilien.
„Die Nachfrage nach Wohn- und Geschäftshäusern sowie Eigentumswohnungen ist deutlich gestiegen“, berichtet Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD) gegenüber WELT ONLINE, „die Griechenland-Krise gibt dem Markt neuen Rückenwind.“
Insbesondere in den Metropolen vermelden Banken und Sparkassen einen kräftigen Anstieg im Immobiliengeschäft. „Die Nachfrage nach Mietshäusern und Wohnungen ist außerordentlich hoch“, so die Beobachtung von Ulrike Zobel, Immobilienexpertin der Hamburger Sparkasse. In Stuttgart und München, so Immobilienprofi Volker Gerstenmaier bei WELT ONLINE, seien die Preise von Mehrfamilienhäusern derart stark gestiegen, dass „die Mieterträge nur noch Renditen von knapp vier Prozent abwerfen.“ Mit dieser Einschätzung steht Gerstenmaier, persönlich haftender Gesellschafter der Stuttgarter Privatbank Ellwanger & Geiger, nicht allein.
Auch in Berlin treiben „die Sorgen der Menschen um einen Anstieg der Inflationsrate und um die Stabilität des Euro die Nachfrage nach Wohnimmobilien nach oben“, sagt Heinz-Helmut Müller, Direktor der Berliner Sparkasse. „In den ersten vier Monaten des Jahres“, so Müller, „lag unser Neugeschäftsvolumen bei der privaten Immobilienfinanzierung 34 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.“ Kai Fischer, Leiter Baufinanzierung der Allianz Leben, kann ähnliches vermelden. Im ersten Quartal 2010 verbuchte sein Unternehmen im Neugeschäft nach eigenen Angaben sogar ein Plus „von über 40 Prozent“. Die privaten Bausparkassen verzeichnen ebenfalls Zuwächse. „Der Spargeldeingang ist binnen Jahresfrist um 17 Prozent gestiegen“, berichtet Verbandschef Andreas Zehnder.
Hintergrund: Schon die milliardenschweren Pakete zur Rettung der Banken und zur Stützung der Konjunktur hatten 2009 die Verschuldung der Euro-Staaten in schwindelnde Höhen getrieben. Mit den Darlehen und Bankbürgschaften mit mehr als 140 Milliarden Euro für die finanziell schwer angeschlagenen Euro-Staaten erhöht sich die Kreditlast. Sie könnte die Inflation kräftig anheizen. „Viele Anleger fokussieren sich deshalb auf Mietshäuser“, sagt Wulf Aengevelt vom gleichnamigen Maklerhaus, „Wohnen müssen die Menschen immer.“
Für Ralph Müller, Leiter Baufinanzierung der Deutschen Bank, ist die Griechenland-Krise jedoch nicht der alleinige Grund für das angestiegene Interesse an Immobilien in Deutschland. „Zum einen sind die Bauzinsen sehr niedrig“, sagt Müller bei WELT ONLINE, „im Sommer 2009 betrug der durchschnittliche Zinssatz für ein Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Laufzeit 4,4 Prozent. Jetzt sind es im Schnitt nur noch 3,69 Prozent.“ Zudem sind die Preise für Immobilien in Deutschland nach Müllers Einschätzung nicht signifikant gestiegen. „Außerdem wurden in den vergangenen Jahren in Deutschland nur wenige neue Mietshäuser gebaut“, ergänzt Müller. Ein Immobilien-Crash wie es ihn zuletzt in Spanien oder in den USA sei damit ausgeschlossen.
„Die meisten Anleger lassen sich beim Hauskauf von rationalen Überlegungen leiten“, erklärt IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick, „es gibt keine Panikkäufe, bei denen wahllos Geld investiert wird.“ Vielmehr, so Schick weiter, würden die Interessenten „die Objekte sehr genau prüfen und auf Qualität setzen“. Gefragt sind nach Schicks Ansicht vor allem Eigentumswohnungen sowie Miets- und Geschäftshäuser in Metropolregionen mit steigenden Einwohnerzahlen. Trübe Aussichten für vom Bevölkerungsschwund geplagte Regionen: Auch die Euro-Krise kann dort das Interesse an Immobilien nicht steigern.
Auch Eigenheime im Grünen spüren nichts vom neuen Boom rund um den Hauskauf. Nach Berechnungen des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) sanken die Preise von selbst genutztem Wohneigentum im Bundesschnitt im ersten Quartal um 0,9 Prozent. Viele Familien entscheiden sich angesichts der unsicheren Wirtschaftslage gegen einen Hauskauf. Dass de Hauskauf kein Allheilmittel für die Krise ist, belegen auch aktuelle Zahlen der Bundesbank. Demnach fiel das Gesamtvolumen der an Privatanleger ausgereichten Hypothekendarlehen im ersten Quartal dieses Jahres um 2,5 Milliarden Euro auf 787,5 Milliarden Euro.
Andere Stimmen zweifeln eine Investition in Mietshäuser und Eigentumswohnungen an. „Die Preise sind bereits gefährlich hoch“, sagt Volker Gerstenmaier. Mit einer Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) könnten sich Immobilienkredite schnell verteuern. Dies wäre ein herber Rückschlag für den Markt.
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