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Kleines Dorf verschwunden – Occupy-Protestcamp in Frankfurt geräumt

07.8.2012, geschrieben von in der Kategorie: Blog

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© Wikimedia Commons/ Gessinger.bildwerk

Das kleine Dorf existierte genau 297 Tage – nun ist das Camp der Occupy-Bewegung vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Geschichte. Polizisten räumten am Dienstag die wenigen verbliebenen Zelte im Frankfurter Bankenviertel. Damit ist auch das letzte Camp der Occupy-Bewegung in Deutschland verschwunden.

Nach einem Bericht von spiegel.de suchen die Initiatoren des Protestcamps nun neue Plattformen, um ihren Unmut über das weltweite Finanzsystem zu verbreiten. So führen Gruppierungen wie Occupy Money innerhalb der Bewegung den Diskurs über eine Neuordnung der Finanzwirtschaft weiter.

Die Idee der Occupy-Camps stammt aus New York. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise gründete eine Gruppe um David Graeber unmittelbar neben den Banken-Hochhäusern der Wall Street eine kleine Kommune, die einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zum Gehabe der Banken bieten wollte. Zahlreiche Camps in aller Welt folgten diesem Beispiel. In Deutschland gab es Zeltstädte der Occupy-Bewegung in Kiel, Münster, Düsseldorf, Berlin und – das größte – in Frankfurt.

Das Leben im Zwergstaat der deutschen Finanzindustrie in Frankfurt hatte seine eigenen Regeln. Die Bewohner wollten der Gesellschaft vor Augen führt, wie marode ihr System ist. In der Siedlung mit bunt geschmückten Zelten gab es zum Beispiel einen „Berg der Probleme“. Dort hungerte ein Maler tagelang, um auf die Nöte in der Welt hinzuweisen. Des weiteren konnten Besucher und Bewohner die „Abteilung Bankenhygiene“ besuchen. Dabei handelte es sich um einen Bretterverschlag, ein symbolisches Gefängnis für böse Bankenbosse.

Der Versuch, in dem Camp eine bessere Welt aufzubauen, ist nun gescheitert. Das räumen selbst die letzten Bewohner des Frankfurter Camps ein. Das lag nicht zuletzt an fehlenden finanziellen Mitteln. So konnte sich das Camp keine regelmäßige Müllabfuhr leisten. Auch die sanitären Anlagen waren ungeeignet. Schon im Frühjahr beschwerten sich Anwohner über Müll und Gestank.

Die letzten rund 50 Bewohner des Camps ließen sich am Dienstag widerstandslos von der Polizei wegtragen. Sie beklagten zwar eine Einschränkung des Versammlungsrechtes, das Ende ihres Camps nahmen sie dennoch hin. Die Bewohnerschaft hatte sich im Laufe der Monate sehr verändert. Waren es am Anfang vor allem politisch hoch motivierte Menschen, die auf Missstände innerhalb des Finanzsystems aufmerksam machen wollten, hatten sich nun zunehmend andere Gruppierungen wie Obdachlose unter die Camp-Bewohner gemischt.