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Norwegen: Die neue Immobilienmacht?

06.7.2010, geschrieben von in der Kategorie: Immobilien-Märkte

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Norwegen

Martina Fenske / Fotolia.com

Neues Immobilien-Hoch im Norden. Der Staatsfonds Norwegens will Berichten zufolge schätzungsweise 20 Milliarden Dollar in Immobilien in den Nachbarstaaten investieren. Netter Vergleichswert: Der Wert aller in Europa im ersten Quartal gehandelten Immobilien bewegen sich in dieser Größenordnung.

Wie die Financial Times Deutschland (FTD.DE) und Wissen.de berichten, will Norwegens Staatsfonds mächtig im Immobiliengeschäft mitmischen. Der Fonds werde „bis zu fünf Prozent seines Geldes in den europäischen Immobilienmarkt anlegen“, erklärte Svein Gjedrem (60), Gouverneur der norwegischen Zentralbank, bei einem Vortrag in Singapur. Ausgehend von dem derzeitigen Fondsvermögen von etwa 445 Mrd. Dollar ergäbe sich so ein Anlagebetrag von mehr als 20 Mrd. Dollar, den Gjedrem zunächst in Nachbarländern verteilen will. Die Größenordnung des Deals zeigt folgender Vergleich: Der Wert aller in Europa im ersten Quartal 2010 gehandelten Immobilien liegt bei 19 Milliarden Dollar.

Der Staatsfonds, in den Norwegen einen großen Teil seiner Gewinne aus dem Ölgeschäft investiert, reagiert mit der Umschichtung auf sicher geltende Immobilien vor allem auf politischen Druck. Eine ratsame Strategie, denn der Fonds hatte in der Vergangenheit von verschiedenen Parteien immer wieder Kritik für seine riskante Anlagestrategie hinnehmen müssen. Dramatisch wurde die Situation, als der Fonds ausgerechnet kurz vor der Finanzkrise den Aktienanteil von 40 auf 60 Prozent erhöhte und anschließend einen Verlust von 64 Milliarden Euro verbuchen musste.
Der Aufschwung am Aktienmarkt sorgte 2009 für ein Ende der Talfahrt. In der vergangenen Woche musste Norwegen einen Tiefschlag wegstecken: Der Staatsfonds besitzt große anteile an Ölkonzernen wie BP, Shell oder Total. Deren Kurse brachen nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko stark ein. Mit einer besseren Streuung des Fondsvermögens – insbesondere durch Investition in Immobilien – sollen solche Schwankungen künftig eingedämmt werden.
Mit „langfristigen Investitionen“ auf der ganzen Welt peile der Fonds stabile Erträge von vier Prozent pro Jahr an, sagte Gjedrem der Financial Times Deutschland, „wir werden sehr vorsichtig in das Immobiliengeschäft einsteigen, beginnend mit Ländern in unserer Region, wo wir mit den Marktmechanismen gut vertraut sind”, sagte Gjedrem, der 1999 erstmals zum Gouverneur der Zentralbank ernannt wurde. 

Neben dem Einstieg ins Immobiliengeschäft kündigte Gjedrem zudem an, auch in Asien verstärkt in Aktien investieren zu wollen. Derzeit legt Norwegen die Hälfte des Fondsvermögens in Europa an. Dazu kommen 35 Prozent in Amerika und Afrika. Lediglich 15 Prozent der norwegischen Investitionen entfallen derzeit auf Asien. „Wir wollen unsere Aktienquote in dieser Region der Welt vergrößern und uns so gleichzeitig an den Produktionskapazitäten der entsprechenden Länder beteiligen“, sagte Gjedrem der am Donnerstag Singapur besuchte, um eine Filiale der norwegischen Zentralbank zu eröffnen, die den Staatsfonds betreibt.

Gjedrem geht davon aus, dass sich das Vermögen des Pensionsfonds bis 2020 auf 900 Milliarden Dollar erhöht und somit verdoppelt. Bereits heute ist der norwegische Staatsfonds der zweitgrößte der Welt. Norwegen rangiert direkt hinter dem Emirat Abu Dhabi, dessen Vermögen aktuell auf 627 Milliarden Dollar kommt. Über den Fonds investiert Norwegen – vergleichbar mit den arabischen Öl-Staaten – einen Teil seines Ölreichtums im Ausland. Damit wird die eigene Volkswirtschaft langfristig unabhängig vom Rohstoffgeschäft. Schätzungen zufolge, so die Financial Times Deutschland, dürfte der Staatsfonds im kommenden Jahrzehnt auf 170 Prozent des norwegischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) anwachsen.
Die Regierung in Oslo teilte damals mit, sie habe etwa ein Prozent des Fondsvermögens in grüne Aktien in Schwellenländern dirigiert. Aufgrund der geänderten Investitionsstrategie flossen 800 Mio. Euro in 232 indische Unternehmen, die dem Umweltschutz verpflichtet seien und saubere Energien einsetzen.