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Olympia-Bauten: Pekings Zauber ist verflogen

11.8.2010, geschrieben von in der Kategorie: Immobilien-Märkte

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Peking

jorisvo - Fotolia.com

Es war eines der größten Sport-Spektakel aller Zeiten. Vor zwei Jahren begeisterten die Olympischen Sommerspiele in Peking mit ihren imposanten Stadien Fans und Fachwelt. Doch inzwischen ist der Zauber verflogen. Viele der Sportstätten wirken verfallen oder werden nur unzureichend genutzt. Bonjour Tristesse.

Peking 2008 war ein echtes Fest für China. Das „Reich der Mitte“ sicherte sich erstmals Rang eins im Medaillenspiegel und machte die Olympischen Sommerspiele zum perfekt organisierten Sport-Festival. Mit modernsten multifunktionalen Arenen. Berühmteste Spezialimmobilie war dabei das Olympiastadion, das aufgrund seiner eigenwilligen Konstruktion in Form einer Korbhülle nur das „Vogelnest“ genannt wurde. Ein Spitzname, an den sich Sportfans in aller Welt bis heute gut erinnern. Doch nicht bei allen Spezialimmobilien von Olympia 2008 ist eine ideale Nachnutzung gelungen.

Zwei Jahre nach den Sommerspielen bieten die ehemaligen Wettkampfstätten laut F. A. Z.net ein uneinheitliches, mitunter tristes Bild. Die kleineren, auf den verschiedenen Universitätsgeländen der chinesischen Hauptstadt errichteten Hallen und Plätze werden von den Hochschulen selbst unterhalten und vorrangig von Studenten genutzt. Viele Wohnungen des Olympischen Dorfes waren im Zuge des andauernden Aufschwungs auf dem chinesischen Immobilienmarkt schon vor den Spielen verkauft worden.

Zur Verbesserung der Infrastruktur trugen die für Olympia neu gebauten U-Bahnlinien und der olympische Waldpark nördlich des Wettkampfgeländes bei. Der Park ist mit 680 Hektar fast doppelt so groß wie der Central Park in New York und bietet eine wohltuende Entlastung für die Bewohner der vom Smog gebeutelten Stadt. Pekings grüne Lunge hat täglich 8.000 Besucher, 2009 waren es „nur“ 3.000 pro Tag.

Weitaus schwieriger gestaltet sich die Nutzung der gigantischen Sportstätten im Olympiapark. Dass das „Vogelnest“, das Turnstadion, die als „Wasserwürfel“ bekannte Schwimmhalle mit dem Gold-Becken des achtfachen Olympiasiegers Michael Phelps (USA) sowie das Medien- und Fechtzentrum ausreichend genutzt werden, lässt sich laut F. A. Z. nur schwer überprüfen. Verlassene Plätze und zugewachsene Zufahrtswege und leer stehende Hallen sprechen eher dagegen. Sportveranstaltungen finden jedenfalls in den Olympiastätten kaum noch statt. Grund hierfür ist der äußerst schwach aufgestellte Breiten- und Vereinssport in Peking. Auch die so genannten westlichen Sportarten wie Fußball haben keine allzu hohen Popularitätswerte. Dabei könnte gerade die Spezialimmobilie „Vogelnest“ ideal als Fußballstadion genutzt werden. Der einzige Pekinger Verein, der als Mieter in Frage kam, lehnte das Angebot zum Umzug in das Olympiastadion ab. Begründung: Die 10.000 Fans, die im Schnitt die Heimspiele besuchen, hätten sich in dem riesigen „Vogelnest“ (80.000 Plätze) regelrecht verloren. Für Spektakel im Olympiastadion sorgen Popkonzerte, Autoshows und diverse Rekordversuche.

Bessere Nutzungsraten erwarten die Betreiber beim „Wasserwürfel“. Das Schwimmstadion mit der charakteristischen Wabenfassade wird in Kürze als Asiens größtes Spaßbad neu eröffnet. Auch das Wettkampfbecken mit insgesamt 6.000 Zuschauerplätzen bleibt erhalten. Umgestaltung soll 200 Millionen Yuan (23 Millionen Euro) gekostet haben. Das ursprüngliche Baubudget betrug 1,1 Milliarden Yuan (125 Millionen Euro).

Mit dem benachbarten National Convention Center hat man in Peking zwei Jahre nach Olympia große Pläne. Die Errichtungs- und Umbaukosten betrugen damals fünf Milliarden Yuan (570 Millionen Euro). „Wir wollen eines der fünf größten Kongresszentren der Welt werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende Liu Haiying gegenüber F. A. Z.net. Nach mehr als einem Jahr Umbau eröffnete der Komplex im November 2009 mit 270.000 Quadratmetern Tagungs- und Ausstellungsflächen. Rund 1.000 Mitarbeiter wickelten mehr als 3.000 Konferenzen im Jahr ab, so Liu – eine Auslastung von immerhin 68 Prozent.

Trostlos wirken dagegen die Olympischen Gebäude im Stadtviertel Wukesong im Westen der Stadt. Während der Spiele zählte das Ensemble aus Baseball- und Basketballstadion zu den beliebtesten Attraktionen der Hauptstadt. Doch nach den Spielen wurde das Baseballstadion aufgrund der fehlenden Bekanntheit dieses Sports in China kurzerhand abgerissen. Heute findet sich dort eine Brachlandschaft. Aus dem angekündigten Bau eines Einkaufszentrums wurde nichts.

Nur unwesentlich besser sieht es bei der Basketballhalle aus. Der 1,4 Milliarden Yuan (159 Millionen Euro) teure Bau steht zwar noch, wird aber nur selten genutzt. Nach den Olympischen Spielen stand der riesige Kasten mit seinen 18.000 Sitzplätzen mehr als ein Jahr lang leer. Heute finden nur eine Handvoll Basketballspiele im Jahr statt.