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Sanierung eines Gotteshauses: Graffiti für den Herrn

04.7.2011, geschrieben von in der Kategorie: Blog

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Graffiti-Kirche

Graffiti-Kirche 'Maria, Hilfe der Christenheit', © Wikimedia Commons/Stefan Strumbel

Die Wege des Herren sind unergründlich – und manchmal eben unorthodox: Eine Kirche im badischen Kehl stand wegen Sanierungsbedarfs und Besuchermangels kurz vor dem Aus. Rettung brachten die knalligen Bilder eines Graffiti-Künstlers.

Als „Geschenk des Himmels“ bezeichnet Pfarrer Thomas Braunstein laut badischer Zeitung die ungewöhnliche Gestaltung der katholischen Kirche „Maria, Hilfe der Christenheit“. Denn der neue Anstrich bedeutete Rettung in letzter Sekunde: Das 1961 erbaute Gebäude war marode und hatte in der mehrheitlich protestantischen Umgebung nur noch wenige Besucher. Doch als der Abriss schon unausweichlich schien, brachte ein Mitarbeiter den Kirchendiener Braunstein mit dem Graffiti-Künstler Stefan Strumbel zusammen. Zwischen den beiden Männern entstand ein Gespräch über christliche Symbole und was man alles mit ihnen anstellen kann und darf. Resultat der Begegnung: Der ehemals illegal agierende Sprayer erhielt den Auftrag die Kirche mit seiner Kunst neu zu gestalten.

Nun prangt über dem Eingang des 60er-Jahre-Baus eine sechs Meter große Madonna mit Jesuskind, die Chorwand ziert eine vergoldete Kreuzgruppe von der rosafarbene Strahlen in Pop-Art-Manier ausgehen. Der gotische Spitzbogen wird durch LEDs beleuchtet, die Wände sind mit dicken Blockstreifen bemalt, aus den Mündern der Heiligen kommen Sprechblasen. Seit der Eröffnung vergangene Woche strömen die Menschen in Scharen in die Gottesdienste der Kirche „Maria, Hilfe der Christenheit“.

Schon zuvor hatte Strumbel mit seinen Kreationen, die sich oft mit dem Thema Heimat beschäftigen, Furore gemacht: So entwarf er Kuckucksuhren mit Handgranaten und Totenköpfen, auf seinen Bildern tragen Schwarzwaldmädel zum Bollenhut ein Palästinenser-Tuch und Kalaschikow. Zu den Sammlern seiner Kunst zählen Karl Lagerfeld und Hubert Burda.