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Streit um Google Street View: Können Mieter und Hauskäufer vom Kartendienst profitieren?

16.8.2010, geschrieben von in der Kategorie: Recht

Straße

Ist das Ihre Straße? Foto: Maria P. / Fotolia.com

Es ist das Reizthema dieses Sommers: Google Street View bringt Datenschützer auf die Barrikaden und sorgt für heftige Diskussionen unter Spitzenpolitikern. Wie soll Deutschland künftig mit dem neuen Kartendienst von Google umgehen? Wann findet ein Eingriff in die Privatsphäre statt? Googles virtueller Spaziergänge durch Großstädte und Straßenzüge sorgt für eine Menge Zündstoff. Aber er birgt wohl auch Vorteile bei der Immobiliensuche

Hintergrund: In Amerika ist Street View, der Dienst, bei dem Fotos von Straßen in 360 Grad-Perspektive geschossen und dann zu Panoramabildern zusammengesetzt werden, bereits seit zwei Jahren nutzbar. In Deutschland will Google bis Ende 2010 Street View in bis zu 20 Großstädten, darunter Berlin, Dortmund, Frankfurt am Main, Hamburg und München, ermöglichen.

Politiker und Datenschützer sind besorgt, weil Google dabei viele Details, u. a. ganze Hausfassaden, zeigt. Deshalb halten Politiker wie etwa der verbraucherpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Bleser (CDU), eine Gesetzesverschärfung bei Angeboten wie Google Street View für dringend notwendig. „Wenn der Rechtsrahmen nicht ausreicht, müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Privatsphäre bei dieser Technologie gewahrt bleibt“, sagte Bleser gegenüber WELT ONLINE. Diese Vorgehensweise gelte nicht nur für Google, sondern generell für Internet-Dienste.

Immerhin hat der Internet-Gigant Betroffenen eine Widerspruchsgelegenheit eingeräumt. Diese kann noch bis zum 21. September 2010 wahrgenommen werden. Das Unternehmen verpflichtet sich bei Widerspruch, Gesichter und Autokennzeichen automatisch zu verpixeln. Auch nach Ablauf der Frist sollen Einsprüche weiterhin geprüft und bearbeitet werden.

Andere Internetnutzer hingegen freuen sich auf die virtuelle Reise mit Google Street View. Wer einen beispielsweise neuen Wohnsitz im Ausland sucht, kann sich über diesen vorab über Google Maps und Street View informieren. Böse Überraschungen kann es damit rund um das neue Zuhause kaum noch geben. Eine Hilfestellung für Immobiliensuchende – die jedoch die Besichtigung eines Hauses oder einer Wohnung keinesfalls überflüssig machen wird.

In der Immobilienwirtschaft blickt man gespannt und mit Zuversicht auf die weitere Entwicklung rund um Google Street View. Insbesondere für die führenden Immobilienportale könnte eine mittelfristige Integration des Internet-Dienstes in Online-Exposés von Immobilien sinnvoll sein. „Wenn alle Fragen zum Datenschutz geklärt sind und sich breite Akzeptanz für Street View abzeichnet, werden wir diese oder vergleichbare Technik einsetzen“, erklärt Axel Konjack, Geschäftsführer von Immonet.de. In den USA gehört Street View schon seit zwei Jahren zum Rüstzeug von Immobilienportalen.

Größter Vorteil für Immobiliensuchende: Sie können sich vorab eine Vielzahl von Informationen über die Umgebung ihres Hauses holen. Mit Street View lässt sich mittels eines 360-Grad-Rundblicks die Umgebung erkunden – und wichtige Fragen rund um die Immobilie wie die Beschaffenheit der Nachbarhäuser oder die Distanz zur nächsten Bushaltestelle lassen sich quasi virtuell beantworten. Die Entscheidung über einen Immobilienkauf kann dadurch erleichtert werden. „Wir halten dies für eine interessante Ergänzung“, glaubt deshalb Immobilienprofi Kai Enders, Vorstand im Bereich Wohnimmobilien bei Engel &Völkers: „Street View hilft beim Ausschluss von Objekten, bringt zusätzliche Effizienz und erleichtert die Vorauswahl.“ Auch für die Makler bietet Street View zusätzliche Möglichkeiten: „Je mehr Mittel wir zu Marketingzwecken einsetzen können, umso leichter ist es für uns natürlich auch ein Objekt zu verkaufen“, so Enders.

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