Studenten in Gronigen: Nur gut verteilt erträglich
15.5.2012, geschrieben von Charlotte Salow in der Kategorie: Immobilien-Märkte
Ein Markenzeichen der niederländischen Stadt Gronigen ist ihre hohe Studentendichte. Durch die inzwischen rund 50.000 Jung-Akademiker ist die Stadt zur Partyhochburg geworden – und das schmeckt vielen Anwohnern nicht. Die Stadtverwaltung reagierte: Mehrere tausend Studenten sollen umgesiedelt werden, um deren Anwesenheit – gewissermaßen in kleinen Dosen – wieder zumutbar zu machen.
Sie treiben die Mieten hoch, sind schmutzig und machen Lärm – das jedenfalls beklagen besonders Anwohner in den Studentenvierteln der Stadt und drängten auf einen Gesetzesentwurf, um die Zahl der Hochschüler zu dezimieren. Bereits seit 2009 müssen Vermieter laut Spiegel Online einen Antrag für den Status eines „Studentenhauses“ stellen, sobald mehr als zwei Jung-Akademiker in einer Immobilie wohnen, lediglich die Altstadt ist bisher ausgenommen. Seit diesem Jahr wird die Anordnung strikt umgesetzt – Kontrolleure ziehen von Haus zu Haus, um die studentischen Einwohner zu kontrollieren.
Sind mehr als 15 Prozent der Einwohner eines normalen Wohnhauses Studenten – und das ist noch vielen Gebäuden der Fall –, droht die Stadt den Vermietern mit richterlichen Anordnungen. Sind die Studi-WGs nach einer Frist in den Gebäuden ohne entsprechende Genehmigung nicht aufgelöst worden, müssen Vermieter mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro und die Studenten mit einer Zwangsräumung rechnen. Voraussichtlich tausende Hochschüler sind von der erzwungenen Umsiedlung betroffen.
Die Stadtverwaltung wiegelt laut Spiegel Online ab: “Wir geben den Studenten und Vermietern genug Zeit, um eine Lösung oder eine neue Bleibe zu finden”. Jedoch ist die Wohnungssuche in der Universitätsstadt ein schwieriges Unterfangen. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis beträgt laut Mietportal Kamernet.nl 19 Euro, selbst für Kellerzimmer zahlen Studenten bis zu 400 Euro. Wenn im Sommern rund 11.000 neue Erstsemester in die Stadt kommen, droht ein extremer Engpass.
Die Studenten versuchen gegen die Diskriminierung aufzubegehren: Sie organisieren Podiumsdiskussionen, haben eine rasant wachsende Facebook-Gruppe gegründet und drehen Filme, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Ob’s hilft? Die Stadt trägt ihren Teil dazu bei, um die Wogen zu glätten: Sie hat in der ganzen Stadt Plakate aufhängen lassen, darauf steht: „Studenten und Groninger leben miteinander.“
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