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Südafrika: So wirkt die Fußball-WM auf den Immobilienmarkt am Kap

11.6.2010, geschrieben von in der Kategorie: Immobilien-Märkte

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Kapstadt

Fotolia.com

Das Warten hat ein Ende. Am 11. Juni, 16 Uhr, wird mit der Partie zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko im riesigen Stadion „Soccer City“ in Johannesburg die 19. Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen. In „Soccer City“ werden die 90.000 Zuschauer während der WM dank deutscher Technik von den Tücken des südafrikanischen Winters verschont bleiben. Die Bauunternehmen profitieren am meisten von der WM am Kap. Die „Soccer City“ von Johannesburg ist schon jetzt das Symbol der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika.  Das weit über die Tribünen reichende Dach des 100 000 Besucher fassenden Stadions besteht aus einer durchsichtigen Glasfasermembran des Herstellers Hightex aus Rimsting am Chiemsee. „Im Gegensatz zu herkömmlichen starren Konstruktionen aus Glas, weisen unsere Membranen ein geringeres Gewicht und eine flexible Formgebung auf, so dass auf Stützkonstruktionen verzichtet werden kann“, erläutert Hightex-Geschäftsführer Frank Molter. Die Fußballfans haben freie Sicht: Keine lästigen Pfeiler mehr, die den Blick aufs Spielfeld verstellen – und auch sonst gilt „Soccer City“ als großzügig und komfortabel. Die deutschen Architekten von Gerkan Marg und Partner zählen damit schon vor dem ersten Anstoß zu den Gewinnern dieser WM. Gleich drei Arenen, in Kapstadt (Green Point, 69.090 Zuschauerplätze), Durban (Moses-Mabhida-Stadion, 70.000) und Port Elizabeth (Nelson-Mandela-Bay-Stadion, 48.000), hat das Hamburger Büro entworfen.

Die größten Gewinner der WM sind allerdings die Bauunternehmen im Staat am Kap der Guten Hoffnung. Ihnen hat der Bau neuer Fußballarenen, Hotels und Straßen Aufträge in Hülle und Fülle beschert. „Mehr als 2,5 Mrd. Euro sind in den Stadienbau und die Infrastrukturmaßnahmen investiert worden“, sagt Wolfgang Maenning. Der Olympiasieger im Rudern von 1988 forscht heute als Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Hamburg über Sport- und Immobilienökonomie und sieht die Milliardenaufwendungen als „sinnvolle Investitionen in die Zukunft Südafrikas“.

Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft in der Republik am Kap um 4,6 Prozent – der stärkste Aufschwung seit Mitte 2008. Das liegt nicht zuletzt am Anstieg des Goldpreises, der Südafrikas Minengesellschaften kräftige Gewinnsteigerungen brachte. Mittel- bis langfristig werde aber die WM die Wirtschaft weiter stärken, glaubt Maenning. Die neuen Hotels und Straßen machen das Land attraktiver für Urlauber und für Unternehmen. Die WM biete „Südafrika die Chance, Investoren zu locken.“ Dies, so sind sich Experten einig, würde auch den Immobilienmarkt voranbringen. „Die starke Nachfrage in- und ausländischer Unternehmen nach Büroflächen hat die Mieten seit 2003 kräftig in die Höhe getrieben“, berichten beispielsweise die Analysten vom Immobilien-Beratungsunternehmen CB Richard Ellis in ihrer jüngsten Studie. In Johannesburg legten nach Angaben von CB Richard Ellis beispielsweise die Büromieten binnen der vergangenen sechs Jahre um mehr als 100 Prozent zu, in Pretoria betrug die Mietpreissteigerung für Büroimmobilien in der Spitze sogar 160 Prozent. Die Mieten sind nicht zuletzt deshalb so stark gestiegen, weil sich Investoren wegen der turbulenten politischen Lage im Land in den vergangenen Jahren mit Neubauten zurückhielten. Und: Auch die großen politischen Probleme des Landes blieben: Präsident Jacob Zuma und sein African National Congress (ANC) schafften es bislang nicht, die AIDS-Epidemie in Südafrika einzudämmen oder gar die immens hohe Kriminalitätsrate zu senken. Von 100 000 Einwohnern werden jedes Jahr 37,2 ermordet – fast siebenmal so viele wie in den USA. Im Vorfeld der WM gab es bereits einen Überfall auf portugiesische Sportjournalisten.

Allerdings sind vor allem die so genannten Townships, die ärmlichen Vorstadtsiedlungen der Großstädte, die Schauplätze von Gewalt und Verbrechen. Dennoch haben sich viele Deutsche, Briten und Österreicher nicht abhalten lassen, Ferienimmobilien in der Republik zu erwerben. „Rund zehn Prozent unserer Objekte werden von Ausländern gekauft, fast jedes dritte Haus von deutschen Kunden“, berichtet Andrew Golding, Vorstand von Pam Golding Property. Die größte südafrikanische Immobilienvermittlungsgesellschaft vermittelt pro Jahr Wohn- und Gewerbeimmobilien im Gesamtwert von rund zwei Mrd. Euro, unterhält Büros in München, Paris und London.

Begehrt sind vor allem Häuser in „Estate Communities“, also von Mauern umzäunten und von Wachdiensten gesicherten Siedlungen mit Swimmingpools, Tennis- und Kricketplätzen in landschaftlich reizvollen Regionen wie der Garden Route an der Südküste. Hier residieren auch die vermögenden Südafrikaner. Der Kontrast zu den Townships ist immens. Golding: „In diesen Communities sind die Immobilienpreise selbst im vergangenen Krisenjahr kaum zurückgegangen.“ Neben solchen Ferienimmobilien stehen auch Safari-Lodges bei den Immobilieninteressenten aus aller Welt hoch im Kurs. „Es gibt auch Deutsche und Briten die diese Objekte erwerben, um damit vom boomenden Wildlife-Tourismus zu profitieren“, berichtet Craig Hutchison, Vorstand von Engel & Völkers Südafrika. Engel & Völkers ist der größte deutsche Immobilienmakler in Südafrika mit einem Netzwerk von 30 Büros und Shops.