US-Immobilienkrise: Hoffen auf Obama
30.8.2010, geschrieben von Carsten Germann in der Kategorie: Immobilien-Märkte
Folgende Tags wurden vergeben: Barack Obama, Immobilienkrise, Konjunkturprogramm, USA
Die große Krise hat in den Vereinigten Staaten für hohe Leerstände gesorgt. Nachdem hunderttausende von US-Bürgern in die Hypothekenfalle getappt sind, stehen nun tausende von Häusern leer. Hilfe erhofft sich die arg gebeutelte Immobilienbrache in den USA jetzt von Präsident Barack Obama.
Die Immobilienkrise hat den US-amerikanischen Markt nach wie vor fest im Griff. Guter Rat scheint teuer. Neue, Milliarden schwere Programme der Regierung sollen den brach liegenden Immobilienmarkt in den USA endlich wieder ankurbeln. Drei Jahre nach dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und dem Platzen der amerikanischen Spekulationsblase in Sachen Immobilien sehen Experten den Markt noch lange nicht auf dem Weg der Besserung. Im Gegenteil: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, rechnen Immobilienprofis mit einer Zuspitzung der Krise. Grund: Steuerliche Anreize für Hauskäufer und unterstützende Käufe durch die US-Zentralbank werden demnächst nur noch die Ausnahme sein.
Die Politik ist gefordert: Die Maßnahmen der Regierung umfassen ein finanzielles Volumen von ca. 50 Milliarden Dollar. Das Geld soll aus dem Tarp-Fonds entnommen werden. Dieser wurde zur Stabilisierung des US-Finanzsystems geschaffen, sodass man in Washington wohl ohne neue Schulden auskommt.
Der Plan: Verringerung der Schuldenlast, die viele Amerikaner vor der Krise auf sich geladen haben. Die hohen Schulden bremsen den Aufschwung der US-Konjunktur erheblich – und der Immobilienmarkt spielt für die US-Wirtschaft eine enorm wichtige Rolle.
Die Krise am US-Immobilienmarkt begann im Jahr 2006 mit einem Preissturz. Dieser Preisverfall führte dazu, dass heute jeder vierte Hausbesitzer seiner Bank mehr Geld schuldet, als seine Immobilie de facto wert ist. Die finanzielle Verlockung, die Zahlungen einzustellen, ist hoch, die hohe Arbeitslosigkeit hat das Budget vieler Haushalte weiter schrumpfen lassen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sind derzeit sieben Millionen US-Amerikaner bei ihren Hypothekenschulden im Zahlungsrückstand. Traf die erste Phase der Immobilienkrise vor allem die finanzschwachen Haushalte, so wirkt sie mittlerweile auch auf den Mittelstand. Der amerikanische Traum scheint ausgeträumt. Inzwischen hoffen US-Bürger, die ihren Job verloren haben, für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten von Ratenzahlungen verschont zu bleiben.
Die Regierung will nun Anreize für die Banken schaffen, damit diese die Hypothekenlast ihrer Kunden reduzieren. Zehn bis 21 Cent bietet die Regierung den Instituten für jeden Dollar an, den sie Schuldnern erlassen. Anderen Gläubiger bietet Washington das verlockende Angebot, für ihren Kredit zu bürgen, wenn die Banken bereit sind, auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. So will man bis Ende 2012 insgesamt vier Millionen angeschlagenen Haushalten helfen – und endlich dafür sorgen, dass der Konjunkturmotor in den USA wieder anspringt.
Die Banken haben ihrerseits Maßnahmen ergriffen, um den finanziell in Bedrängnis geratenen Kunden entgegenzukommen. Die Bank of America bietet mehreren Zehntausend Hausbesitzern einen Teilerlass ihrer Schulden an.
Experten hingegen sind skeptisch, ob diese Schritte den krisengeschüttelten US-Immobilienmarkt tatsächlich wieder auf Touren bringen konnten. Denn: Alle Versuche, die Lage zu stabilisieren und einen neuen Aufschwung einzuleiten, sind bisher gescheitert. Mitunter lag das finanzielle Volumen dieser Rettungsaktionen bei mehr als einer Billion Dollar. Unter anderem ließ die Regierung die größten Hypothekenfinanzierer des Landes verstaatlichen und gewährte zudem Steuernachlässe für Hauskäufer. Die Zentralbank sprang in die Flanke, in dem sie Hypothekenbündel kaufte, um dadurch die Zinsen für Immobiliendarlehen nachhaltig zu senken. Dies gelang zwar, die Zinsen sanken merklich, doch einen Anstieg der Nachfragen bei Häusern konnte man damit nicht herbeiführen. Im Gegenteil: Die Zahl der verkauften Neubauimmobilien ging in den Vereinigten Staaten nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im Februar 2010 noch einmal zurück: Lediglich 308.000 neue Einfamilienhäuser fanden einen Käufer. Dies bedeute einen historischen Tiefstand und insgesamt satte 78 Prozent weniger Käufe als im Juli 2005, als der Boom auf dem Immobilienmarkt auf dem Höhepunkt war.
Die Talsohle scheint jedoch immer noch nicht erreicht zu sein. Wie die US-Notenbank ankündigte, wird man zum Ende des Monats August den Kauf von Hypothekenbündeln einstellen, im April 2011 laufen die steuerlichen Nachlässe für Hauskäufer in den USA aus. Beide Faktoren dürften die Nachfrage nach Immobilien in den USA weiter bremsen.
Die Immobilienkrise in den USA trifft jedoch nicht nur das Segment „Einfamilienhäuser“. Auch die Preise für Gewerbeimmobilien sind im Tiefflug und sorgen bei kleinen und mittleren Banken für Probleme. Sie haben große Teile ihres Anlagevermögens Investoren überlassen, die Hotels und Einkaufszentren bauen wollten. Die Zahl der Bankenpleiten steuert in den USA auf einen neuen Rekord zu. Seit Jahresbeginn mussten schon 40 Banken schließen.
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