Versicherer drängen auf Markt der Hypothekenkredite
22.5.2012, geschrieben von Immonet in der Kategorie: Finanzen
Folgende Tags wurden vergeben: Finanzierung, Hypothek, Immobilienkredit
In Sachen Immobilien-Finanzierung bekommen die Banken in Deutschland Konkurrenz. Versicherungskonzerne drängen zunehmend auf den Markt der Hypothekenkredite. Sie vermitteln sogar unmittelbar KfW-Förderdarlehen.
Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung mitteilt, nimmt der Anteil der Immobilienkredite, die über einen Versicherer abgeschlossen werden, seit Anfang des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich zu. Das bestätigt das Unternehmen Interhyp, der größte Vermittler von Immobilienkrediten in Deutschland. Das gelte vor allem für langfristige Finanzierungen mit einer Zinsbindung von 20 Jahren und länger.
Diesem Trend kommt eine gesetzliche Neuerung entgegen: Seit April können Kunden für Baufinanzierungsgeschäfte KfW-Darlehen direkt von einem Versicherer erhalten. Bisher lag die Vergabe-Hoheit bei Banken und Bausparkassen. Für die Versicherungen sind die Hypothekenkredite ein attraktives Geschäft: Die Investitionen lassen sich gut kalkulieren, die Erträge sind stabil.
Auch die anhaltend gute Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt verstärkt diesen Trend. Denn während der Kapitalmarkt zum Teil erheblichen Schwankungen und Risiken unterliegt, erweist sich der Immobilienmarkt hierzulande als weniger wechselhaft. Und auch die Versicherungen profitieren vom niedrigen Zinsniveau. Gleichzeitig fällt die Rendite bei der Vergabe von Hypothekenkrediten deutlich höher aus als auf dem klassischen Kapitalmarkt. Dort haben Versicherer bekanntlich bisher das meiste Geld verdient.
Die Banken stehen unter Druck, denn sie müssen aufgrund strengerer Auflagen nach der Bankenkrise deutlich mehr Eigenkapital vorweisen. Des einen Leid, des anderen Freud: Die Verbraucher profitieren in jedem Fall von dem Konkurrenzkampf zwischen Banken und Versicherungen. Wer geschickt verhandelt, kann für sich optimale Konditionen für die Immobilien-Finanzierung herausholen.
Doch auf in anderen Bereichen machen sich Versicherer auf einstigem Banken-Terrain breit. So bieten sie ihren Kunden schon lange Konten für Tagesgeld oder Festgeld an. Das geschieht zum Beispiel, wenn eine Lebensversicherung ausgezahlt wir. In der Regel wandert dieses Geld auf ein Bankkonto, und die Bank unterbreitet Angebote zur längerfristigen Anlage des Geldes. Geht das Geld auf ein Konto des Versicherers kann er seine Kunden unter Umständen für alternative Produkte, wie eine Rentenversicherung, gewinnen.
Die Banken bleiben angesichts dieser Entwicklung aber gelassen. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Lebensversicherer 2011 Hypothekendarlehen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro vergeben. Das entspricht lediglich 6,7 Prozent ihrer Kapitalanlagen. Unterm Strich bleibt die Immobilien-Finanzierung also ein Nebengeschäft für die Versicherer.
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